HAUSGESCHICHTE

Geschichtliches zum GLANZERSMICHL

 

Das denkmalgeschützte Ensemble an der Kirchgasse 1 setzt sich zusammen aus dem ehem. Wohnstallhaus, der Holzlege und der Scheune. Als zunächst eingeschossiger, reiner Fachwerkbau wurde das Wohnstallhaus 1715 errichtet. Die genaue Datierung erfolgte durch eine dendrochronologische Untersuchung der ursprünglich verbauten Hölzer.

Aus dieser ersten Bauphase hat sich der rückwärtige Fachwerkgiebel, das Dachwerk, Teile des Flures, sowie die Balken-Bohlen-Decke über der Stube erhalten. Die hier zur Kirchgasse hin sichtbaren Stichbalken deuten auf einen ehemaligen Walm hin.

Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt das Gebäude im wesentlichen Mitte des 19. Jahrhunderts. Die umfassenden Baumaßnahmen fanden unter dem damaligen Besitzer Georg Hummel statt, der sich mit seinen Initialen und der Jahreszahl 1858 im Schlußstein über der Eingangstür verewigen ließ.

Durch den teilweisen Ausbau des Dachgeschosses entstand das heute charakteristische Frackdach, das den Wohnteil gegenüber dem Stalltrakt hervorhebt, der sein steiles Satteldach des frühen 18. Jahrhunderts behalten hat. Die massiv erneuerten und verputzten Schaufassaden zur Kirche bzw. zur Kirchgasse hin wurden mit sandsteinernen Lisenen, Gurtgesimsen und Fenstergewänden aufwendig gegliedert. Bei der rückwärtigen Längswand dagegen wurde das ehemalige Fachwerk durch Sichtmauerwerk aus Sandsteinquadern ersetzt.

Erst im 20. Jahrhundert wurde der ursprünglich vorhandene deutsche Kamin durch einen russischen ersetzt. Nachteilige Veränderungen der Raumaufteilung erfolgten im Bereich Stube/ Kammer/ Küche durch das Einziehen neuer Bimsbetonwände. Der Stallbereich und das Obergeschoß waren zuletzt ungenutzt.

Die Scheune ist 1796 errichtet worden. Die inschriftliche Datierung findet sich sowohl am südöstlichen Eckständer als auch im obersten Gefach der bachseitigen Giebelfassade. Der auf der nördlichen Grundstücksgrenze errichtete Baukörper nahm damals noch nicht die gesamte Breite des Grundstückes ein und wurde erst im 19. Jahrhundert, evtl. im Zusammenhang mit der Errichtung der Holzlege 1852 (dendrochronologisch datiert), nach Westen erweitert. Im Bereich der Erweiterung befindet sich ein aus Sandsteinquadern gemauerter, tonnengewölbter Keller.

Den Giechern ist das Anwesen unter dem Hausnamen Glanzer’s Michl bekannt. Michael Morgenroth, so der eigentliche Name des vorletzten Besitzers, lebte von 1904 bis 1988 und ließ sich offenbar gerne das ein oder andere Feierabendbier schmecken, was ihm eine glänzende Gesichtsfarbe und den heute noch gängigen Hausnamen bescherte.

Nach dem Tod vom Glanzer’s Michl ging der Besitz an Familie Freudensprung. Hanne Freudensprung verkaufte das Anwesen Ende 2008 an Ingrid Winklmann.